Galerie Hinter Lenchens Haus

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Samstag, 04. März 2006

Diesen Traum träumen heute viele mit

Die Bendorfer Galerie "Hinter Lenchens Haus" besteht seit 25 Jahren

Peter Lindemann

Einen Traum hat sich der Bendorfer (ge­bürtiger Ostfriese aus Leer) Georg Niko­laus Raber M.A. 1983 mit der Gründung der Ga­lerie "Hinter Lenchens Haus" erfüllt. Aber das wäre an sich ja eigentlich noch nichts Besonderes. Was diese Galerie in den ver­gangenen 25 Jahren allerdings im nördli­chen Rheinland-Pfalz bewegt hat, ist dann doch mehr als nur ein paar Sätze wert. Kultur in der Provinz - vor 25 Jahren war das noch etwas, das nicht immer ganz ernst genommen wurde. Vielleicht gerade deshalb fühlte sich Raber, selbst als Maler tätig - im Hauptberuf Graphiker mit Studium der Kunstgeschichte und seit 1970 in Bendorf selbständig - heraus­gefordert. Wusste er doch, dass sich im Be­reich Bendorf und auch weit darüber hin­aus auf kulturellem Gebiet zwar vieles tat, aber das dafür nicht immer ein adäquater Rahmen gefunden wurde.

Galerie Frontansicht

Die Misere der öffentlichen Finanzen traf schon damals häufig den Kulturetat der Kommunen. Privates Engagement war im­mer mehr gefragt. Kunst in Ausstellungen zu zeigen, Konzerte damit zu verbinden, die Literatur dabei keinesfalls außen vor zu lassen - diese Ziele formulierte Georg Ni­kolaus Raber für seine Galerie und ver­stand es, Freunde für diese Idee zu begei­stern. Darüber hinaus sollte die Galerie ein Treffpunkt für Künstler, Kunstfreunde und für interessierte Laien gleichermaßen wer­den. Nur wenn Kunstschaffende, Kunst­freunde und solche, die es noch werden wollen, miteinander ins Gespräch kom­men, Gedanken austauschen, durchaus auch kritisch diskutieren, wird Kunst im größeren Rahmen lebendig. Und Kunst braucht Leben so wie das Leben Kunst braucht.

Es ist viel auf einmal, so mag es er­scheinen. Doch die Vielfalt der Ideen sorg­te auch für eine Vielfalt in der Umsetzung. Raber machte überzeugend klar, dass die­se Galerie nicht in Konkurrenz zur Kulturarbeit der Stadt Bendorf treten wollte. Sie wollte Ergänzung, Ideengeber und Mitar­beiter sein. So wurde - und so wird sie auch heute noch - bei den Verantwortli­chen der Stadt verstanden.

Fast alles, was an Plänen seinerzeit ge­schmiedet wurde, was als Wunsch vorge­dacht, was mit Hoffnungen verknüpft und auch mit Risiken behaftet war, ist in den vergangenen 25 Jahren verwirklicht wor­den. Eine Erfolgsstory, die nicht von unge­fähr kam.

Lassen wir die 25 Jahre ein wenig Revue passieren. Höhepunkte waren ohne Zwei­fel die Einzelausstellungen mit Salvador Dali (Grafiken), George Cruikshank (1792-1878), Otto Mo­dersohn, Christian und Ulrich Modersohn, mit Heinrich Vogeler, Bruno Müller-Linow, Bernd Zimmer und Otmar Alt. Doch ist das bei über zweihundert Ausstellungen in dieser Zeit längst nicht alles: Andreas Bruchhäuser, Rolf Cofflet, Manfred Stiebel, Christine Henn, Sabina Wörner, Pit von Frihling, Karl-Lud­wig Böke, Gisela Schmidt-Reuther, Helga und Rainer Budde-Engel­ke, Friedrich Mildenberger, Uli StoII, Kerstin Degen dazu die Professoren Harald Becker, Pit Moog und Bodo Boden - die Li­ste iIIustrer Namen ließe sich fortsetzen. Dazu kamen die Ausstellungen mit inter­nationalen Künstlern aus China, Rumänien, Italien, Polen, Rußland, Ägypten und aus der Schweiz.

Viele der Genannten sind Freunde ge­blieben über die Dauer ihrer Ausstellungen hinaus. Ihren Arbeiten begegnet man ger­ne immer wieder in Gruppenausstellun­gen, die im Jahresverlauf zweimal veran­staltet werden. Hinzu kommen Literaturabende und Konzerte. Als 10 jähriger spielte der Pianist Marin Stadtfeld, heute international bekannt, in der Galerie.

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Mit der Künstlerin Ingrid Buchta beispielsweise wagte die Galerie den Schritt in die Rich­tung des "Informell". Das hat dem Publi­kum Umdenken abverlangt. Auch Mei­sterschüler der Frankfurter Akademie, un­ter der Regie von Prof. Dr. Harald Brost, ga­ben den Betrachterinnen und Betrachtern einige Rätsel auf. Aber Kunst soll ja nicht immer auf den ersten Blick gefallen, son­dern auch Stoff zur geistigen Auseinan­dersetzung bieten. Freundschaft will wachsen.

Vor gut zehn Jahren verließ die Galerie ih­re ureigenen Räume und bezog auch den weitläufigen Innenhof mit ein. Großplasti­ken des Künstlers Klemens Pompetzki ­­wurden aufgestellt, die seitdem auf reges Interesse stoßen. Galerie und Skulpturen­hof nennt Georg Nikolaus Raber das ge­samte Anwesen nun, das zeitweise auch dem umstrittenen "Bacchus von Kobern­ Gondorf" Heimat bot.

Die Galerie "Hinter Lenchens Haus" ha­ben auch viele prominente Gäste aus dem öffentlichen Leben kennen- und schätzen gelernt. So wurden Ausstellungen eröffnet vom ehemaligen Landtagspräsidenten Dr. Heinz-Peter Volkert, vom früheren Mini­sterpräsidenten Rudolf Scharping, von der Kultusministerin Dr. Rose Götte, vom Staatssekretär Dr. Hofmann-Göttig, dem Vorsitzenden der CDU Rheinland-Pfalz Christoph Böhr, von den Regierungspräsi­denten Theo Zwanziger und Gerd Danco, den Landräten Rudolf Schwan und Albert Berg-Winters. Der im kulturellen Bereich besonders aktive Beigeordnete des Land­kreises Mayen-Koblenz, Hans-Josef Kog­gel, ist regelmäßiger Gast in der Galerie. Und natürlich ist der Bendorfer Bürger­meister Hajo Stuhlträger dem Hause eng verbunden wie es auch sein Amtsvorgän­ger Dieter Trennhäuser war. Eingeschlos­sen der Kulturdezernent Gerd Saxer.

Über 15 Jahre wurde die Galerie kunstwissenschaftlich begleitet von Frau Dr. phil. Maria Velte (gest. 2005), der ehemaligen Direk­torin des Mittelrheinmuseums.

Einen Traum hat sich Georg Nikolaus Raber mit der Galerie erfüllt. Einen Traum, den heute längst Tausende von Kunst­freunden mitträumen.

1997 wurde Raber mit dem Kulturpreis der Stadt Bendorf ausgezeichnet - das ist auch ein Stück dieses realisierten Trau­mes.